Februar 2011
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Ein Staat, dessen Gründung von der UN-Vollversammlung beschlossen wurde ist zweifelsfrei besser legitimiert, als die meisten Nachbarländer, die offensichtlich Erbe der Kolonialzeit sind.Die “maßgebenden Weltmächte” USA, Sowjetunion und Frankreich (?) waren ebenso überzeugt von der Notwendigkeit einer staatlichen Heimat für das Jüdische Volk wie Belgien, Bolivien, Brasilien, Costa Rica, Dänemark, die Dominikanische Republik, Ecuador, Guatemala, Haiti, Island, Kanada, Liberia, Luxemburg, Neuseeland, Nicaragua, die Niederlande, Norwegen, Panama, Paraguay, Peru, die Philippinen, Polen, Schweden, Südafrika, die Tschechoslowakei, die Ukraine, Uruguay, Venezuela, und Weißrussland. Leider hielt diese überwältigende Legitimität alle Nachbarländer nicht davon ab, den neuen Staat sofort vernichten zu wollen (und dabei die erste vieler militärischer Niederlagen zu kassieren).
Die Startbedingungen waren selbstverständlich schlechter als in Europa zur selben Zeit, wo die Infrastruktur und Industrie den Krieg großteils überstanden hatte oder in den Ländern des Nahen Ostens und Afriaks, die über Bodenschätze verfügten. Zu diesen Schwierigkeiten musste Israel auch noch massive Einwanderung bewältigen. Sowohl KZ-Überlebende, als auch Äthiopische Analphabeten, als auch bettelarme Bürger der ehemaligen Sowjetunion sind zunächst mal keine auf dem internationalen Arbeitsmarkt heiß begehrten High Potentials. (Sie wurden es freilich in Israel in spätestens der zweiten Generation.)
Im Gegensatz zu Griechenland verfügt Israel hauptsächlich deshalb tatsächlich über unbegrenzten Kredit, weil die Kreditgeber rechnen können. Selbst 2009, als außer Polen die ganze westliche Welt in die roten Zahlen geriet, wies Israel ein kleines Wirtschaftswachstum aus. Dass die einzige Demokratie im Nahen Osten als strategisches Asset dem Westen unbezahlbar wertvoll ist, versteht sich von selbst.
Vom Dauerkriegszustand bekommt man in Tel Aviv rein gar nichts mit. Selbst, als Israel 2008 gezwungen war, in Gaza Krieg zu führen, merkte man das 60 Kilometer entfernt nur am erhöhten Flugverkehr. Das ist eine unglaubliche Leistung.
Beirut ist eine wunderschönde Stadt, die ein unglaubliches Nachtleben bietet, aber als Europäer (oder Frau, oder Homosexueller oder gar Jude) gibt es No-Go-Areas, in denen man seines Lebens nicht sicher ist. In Jordanien geht es den Palästinensern ähnlich schlecht, wie unter israelischer Besatzung und dramatisch schlechter als den israelischen Palästinensern. An diesen ist der Kontrast zu den Nachbarländern am offensichtlichsten: Israelischen Arabern geht es nach allen quantifizierbaren Daten (Einkommen, Lebenserwartung, Säuglingssterblichkeit, Alphabetisierungsrate) trotz der alltäglichen Diskriminierung und des Dauerkriegszustandes, der ihnen ebenso wie den Juden zugemutet wird besser, als allen anderen Arabern.
Lieber Anonymus, reisen Sie einfach mal hin. Lassen Sie sich das israelische Visum auf ein Extra-Papier stempeln (sonst lassen einige Drecksländer Sie nicht rein) und besuchen Sie anschließend Ägypten, Jordanien und den Libanon. Ich zeige Ihnen gerne meine Lieblingsclubs in Tel Aviv und Beirut.
Nein.
Woher soll ich sowas wissen? Nie gehört.
Liebe/r Herr/Frau anonyme/r Fragesteller/in,
in wiefern sind meine “Beiträge” “kritikwürdig”? Kritisieren Sie bitte! Ich antworte umgehend.
Zum Zionismus: Im zarten Alter von 18 lernte ich in der Türkei eine Libanesin kennen. Die lud mich ein, sie zu besuchen. Da ich damals über den Libanon nur wusste, dass das Land einen Bürgerkrieg durchleiden musste, las ich alle Bücher über die Geschichte des Nahen Ostens, die ich kriegen konnte. Je mehr ich las, desto sympathischer wurde mir Israel.
Seit 16 Jahren bereise ich regelmäßig den Nahen Osten und pflege Freundschaften im Libanon und in Israel.
Aus eigener Anschauung weiß ich, welches Land in dieser Weltgegend seinen Bürgern das beste Leben bieten kann. Zufällig ist es das selbe Land, das die schlechtesten Startbedingungen als staatliche Entität überhaupt hatte. Deshalb bewundere ich Israel.
Spiegel Nr. 8/2011, Seite 62:
“Mein Leben soll schön sein, immer nur schön”, sagt Eden. Keine schlechte Lebenshaltung eigentlich. Man kann im Leben ja alles Mögliche tun, um Erfüllung und Balance zu finden. Yoga, Klosteraufenthalte, Weltreisen, Chakra-Atmung oder Bürgerinitiativen gründen. Manchmal, so sieht es aus, besteht der Lebenssinn aber auch ganz einfach darin, einen Rolls zu fahren und viel zu vögeln. Das ist Rolf Edens Vermächtnis an die Welt.”
Ein gutes Vermächtnis. Wer das bezweifelt, dem sei als Blick auf einen biographischen Gegenentwurf das Reisetagebuch Margot Käßmanns zur Lektüre empfohlen.
Ich habe überhaupt nichts gegen einzelne Berliner. Ich finde nur die Stadt, in der sie leben scheußlich, dysfunktional, erbärmlich regiert, bettelarm und - entgegen der dort üblichen Eigenwahrnehmung - erschreckend wenig urban. Ich bin froh, nicht mehr dort sein zu müssen.
Ob die Schwaben und Badener insgesamt ein Gewinn für die Stadt sind, weiß ich nicht. Diejenigen im Prenzlauer Berg, wo ich wohnte, großteils gewiss, die haben alle Jobs oder wenigstens Geld. Aber unbestreitbar bevölkern auch jede Menge gescheiterte Existenzen und halbbegabte Künstler aus dem Rest der Republik Berlin, wo sie die Erwerbsstatistik versauen, weil das Leben dort so billig ist. Dabei kann ich dem Senat nicht mal einen Vorwurf machen: So lange der produktive Rest der Republik die Rechnung bezahlt, wäre Berlin bescheuert, solide zu wirtschaften. Weshalb mindestens der Länderfinanzausgleich sofort abgeschafft gehört. Besser freilich wäre der Neuzuschnitt Europas.
Abi Melzer führte mal den Melzer-Verlag. (Wo z.B. eine sehr schöne Herzl-Monographie erschien.) Dann ging er pleite und gibt nun eine obskure Zeitschrift heraus, deren Gestaltung Schülerzeitungsredakteuren ab ca. der siebten Klasse kalte Schauer über den Rücken jagt. Was freilich harmlos ist zum dezidiert antisemititschen israelkritischen Inhalt. Frau Ginzburg kann man guten Gewissens hingegen keinem Ästheten vorenthalten.
Ich würde es begrüßen, wenn Deutschland sich nicht abschaffen würde. Da wir uns zum demographischen Suizid entschlossen haben, benötigen wir zwingend qualifizierte Zuwanderung, selbst wenn wir die irrsinnigen Umverteilungssysteme auf ein halbwegs realistisches Maß schrumpfen würden. Der Fachkräftemangel ist absolut real, und man kommt ihm gewiss nicht mit der deutschen Greencardregelung bei.
Lieber Herr Ernst,
da haben Sie mich kalt erwischt: Tatsächlich habe ich nur jahrelang in meiner eigenen Firma mit mehreren Angestellten Computersysteme konfiguriert und verkauft. Ist keine Produktion und zählt daher vermutlich nicht, oder? Hochkomplexe IT-Probleme für Kunden aus allen erdenklichen Branchen zu lösen ist gewiss nicht auf dieselbe wünschenswerte Art charakterbildend, wie die Knolle aus dem Dreck zu ziehen. Ich melde mich, sobald die Umerziehung im Arbeitslager erfolgreich war.
Thierse schreit sowieso immer nach Widerworten. Ich guck mal, wie die TV-Berichterstattung ausfällt.
Gelegentlich triggern meine Äußerungen Abi Melzers Reflexe und er schreibt mir eine Mail. Unter der Überschrift “Berufsbekleidung” wies ich bei der Achse auf die wundervolle und wandlungsfähige Esti Ginzburg hin. Darauf schrieb mir Abi:
Was für ein infantiler Idiot sind Sie? Armeeuniform als Arbeitskleidung. Das kann nur in einem kranken Hirn entstehen.
Worauf ich antwortete:
“Uniform [lat.-frz.], nach einheitl. Richtlinien hergestellte [Dienst]kleidung, die die Zugehörigkeit einer Person zu einer bestimmten Institution kennzeichnet.”
Kranke Freaks, diese Brockhausredakteure!
Darauf Abi:
Infantil ist noch ein Kompliment für Sie.
Diese Reihe wird vermutlich fortgesetzt.
Fußgängerzonen in Baden-Württemberg: Stände, Schirme, Fähnchen, Luftballons. Straßenwahlkampf. Den “Spaß” hab ich mir vor ewigen Zeiten auch gegeben. (Ich war jung und naiv und dachte, Parteien würden interessante Diskussionen anstoßen und anderes honorieren als exzessive Mediokrität.) Ich hatte also auch das Vergnügen, dem Plebs die Vorzüge des Liberalismus persönlich nahezubringen. Sich an eine repräsentative Auswahl von Samstagvormittagskonsumenten zu wenden, ist für Volksparteien vielleicht sinnvoll, für die FDP ganz sicher nicht. Die sollte versuchen, möglichst viele der 20% liberalen Geister für sich zu gewinnen und die 80% in Ruhe lassen, denen ihre Freiheit exakt drei Euro sechzig und eine garantierte Minirente wert ist. Man verschwendet also 30% seiner Zeit auf Leute, die die FDP ums Verrecken nicht wählen würden, 30% auf Irre und Rentner, die froh sind, mal jemand anderen als ihren Hausarzt mit ihren Belanglosigkeiten langweilen zu können, und 40% auf Leute, die sowieso die FDP wählen. Neuwähler gewinnt man auf der Straße exakt keinen einzigen. Mit Plakaten schon zehnmal nicht, wenn man nicht Samira El-Ouassil, Dorothee Bär, Sahra Wagenknecht oder Silvana Koch-Mehrin im Angebot hat. Jeder, der auch nur rudimentäre Grundkenntnisse von Marketing hat, weiß, dass Politikerfressen extrem zuverlässige Antiwerbung sind. (Würden Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier und Guido Westerwelle Marlboro bewerben, wäre das mit Abstand die effektivste Nichtraucherkampagne aller Zeiten.) Straßenwahlkampf ist eine Dschungelprüfung für den Funktionärsnachwuchs, sonst nichts. Parteikarriere heißt ja nicht umsonst “Ochsentour”.
PS: Eine Partei erfüllt übrigens bis heute meine naiven Hoffnungen, deshalb bin ich auf Mitglied. Die PARTEI. Wäre ich Hamburger, ich würde Strunk wählen!
Wieso fragst Du dann? ;) Nö, ich bin so gojisch wie nur was.
Wie werde ich Aktivist und für mein Hobby entlohnt? Bei der Arte-Sendung “Rebellen im Namen der Erde” findet der Zuschauer eine Antwort und ich ein “kletterndes Geschäftsmodell”. Wer wirklich bezahlt, wurde leider in der Doku vergessen.
Wir haben bisher die Elite überhaupt keines Landes anlocken können. Aus exakt dem bei der Achse genannten Grund: Die Elite geht in die USA, wer Sozialhilfe will, kommt zu uns.
In wiefern funktioniert denn meine Seite nicht - Ihre Frage kam an und hier ist die Antwort.
Ihnen missfällt mein “dezidiert antideutsches Querfrontlertum” nicht und mein “extrem nervendes Homo-Closet Banging” ebensowenig. Danke, dass Sie mich’s wissen lassen! Das dezidiert antideutsche Querfrontlertum soll gewiss nicht jedem gefallen. Den anderen Begriff habe ich mir so ergoogelt, dass Ihnen nicht gefällt, dass ich mit Männern schlafe, aber nicht dazu stehe - richtig? Das bemängeln Sie in einem ANONYMEN Leserbrief? Ist ja wohl ein Witz.
Tausche tunesischen Flüchtling gegen arbeitsunwilligen Ossi. Oder Ruhrpöttler.
Als Freitag vor einer Woche die Mubaraks NDP-Zentrale brannte und die Armee in die Städte einrückte - der Nahe Osten also mitten in einer Revolution von weltgeschichtlicher Bedeutung steckte - erfuhr der deutsche Fernsehzuschauer von diesen Vorgängen: Genau nichts. Eher ein Medienversagen als ein Medienmärchen.